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Die Zweifel kommen zurück ... - Tagebücher aus der Schwangerschaft von Kinderwunsch: Julia aus bei Heidelberg

Eine neue wunderbare, aufregende und vielleicht auch lang erwartete Lebenszeit beginnt. Für unsere Tagebücher-Blogs haben wir immer 3-4 schwangere Frauen in unterschiedlicher Schwangerschaftsphase, die in freudiger Erwartung über jede Woche dieser spannenden Zeit schreiben, uns und die vielen tausend Follower:innen daran teilhaben lassen und damit unvergessliche Momente schaffen.

0. Schwangerschaftswoche

Die Zweifel kommen zurück ...

Ein kurzes Update, nach einem tränenreichen Zyklus.

Aufgrund der Eingewöhnung im Kindergarten von unserem Mini musste ich den Termin im Kinderwunschzentrum letzte Woche leider auf Anfang April verlegen. Bei dem Termin kam heute raus, dass wir, bevor der neue Behandlungsplan erstellt werden kann, erst noch zu einem Andrologen müssen, da dies von der Krankenkasse so gefordert wird.  Dieser muss ebenfalls die eingeschränkte Zeugungsfähigkeit meines Mannes feststellen.

Letzte Woche kamen in der vierten Zykluswoche meine gut bekannten Zwischenblutungen wieder. Ein Anzeichen für den Progesteronmangel, wegen dem ich während der IUI Zyklen die Hormontabletten bekommen hatte, die auch wirklich sehr gut dagegen geholfen haben. Zwischenzeitlich kam nun auch meine Menstruation, aber damit hatte ich diesen Monat sowieso fest gerechnet.

Es ist der erste Monat seit 2 Jahren, in dem ich keinen Schwangerschaftstest gemacht habe und in dem wir angefangen haben, uns damit auseinanderzusetzen, wie unser Leben aussehen wird, wenn es kein zweites Wunder für uns geben wird. Ich habe fest vor, mir den Behandlungsplan für eine IVF oder ICSI erstellen und genehmigen zu lassen. Dennoch weiß ich, wenn ich absolut ehrlich zu mir bin, dass ein solcher Eingriff mir persönlich einfach zu weit geht. Beginnend mit der Hormonstimulation, um im Idealfall mehr als 10 Eizellen gleichzeitig reifen zu lassen (bei meinem AMH Wert, der Wert, der die Eizellreserve beschreibt, rechnet die Ärztin mit maximal 5 Eizellen). Die Entnahme dieser der Befruchtung außerhalb des Körpers, der Ungewissheit, wie viele davon sich die ersten Tage weiter entwickeln und als Blastozyten wieder zurück in meinen Körper dürfen, in der Hoffnung, dass sie sich dort dann auch einnisten.
Wären wir im ersten Kinderwunsch, würde ich es sofort machen, aber das sind wir nicht.  Wir sind bereits Eltern und vielleicht hat das Leben andere Pläne. Vielleicht ist es Karma, weil es früher mal eine Zeit gab, in der ich keine Kinder wollte. Wer weiß das schon. Es ist unglaublich, dass es diese Möglichkeiten heutzutage gibt. Zwischen 1997 und 2022 wurden 421.230 Kinder geboren, die es ohne IVF nicht geben würde. Aber es fühlt sich für mich nicht so an, dass dieser Weg auch unserer ist. Ich kann euch gar nicht sagen, ob es einen Tag gab, an dem ich diesen Zyklus nicht geweint habe. Es ist schwer ... schwer ehrlich zu sich selbst zu sein. Und es ist genauso schwer, euch diese Gefühle zu beschreiben.

An der Geburtstagsparty meines Mannes mit seinen Freunden sind bei mir unglaublich viele Tränen geflossen. Mit uns begann vor 2 Jahren auch die Kinderwunschreise von drei Freundinnen in diesem Freundeskreis. An der Party waren zwei Babys, eines fast ein Jahr alt und das zweite ein halbes. Und so sehr ich mich für diese Familien freue, so sehr tut es mir manchmal auch weh, dass es vielleicht nicht unser Leben sein wird.
Eine von den Dreien ist wie wir in der Kinderwunschbehandlung und kurz vor der ersten IVF. Es ist schon seltsam, wie das Leben spielt. Ein weiteres Pärchen ist nun nach fast einem Jahr ebenfalls zum Erstgespräch in einer Kinderwunschklinik.
Ich weiß, wir sind damit nicht alleine und es macht mich traurig, dass so viele diese Erfahrung machen und das bereits im ersten Kinderwunsch.

Ich weiß nicht, wie wir uns in den nächsten Wochen entscheiden. Nach Ostern geht es für uns noch einmal in Urlaub.

Die Tendenz ist, dass wir es trotz medizinisch festgestellter Sterilität aufgrund des Spermiogrammes, soweit wir es wissen, zumindest in den letzten 6 Monaten, noch bis Sommer einfach ohne Verhütung laufen lassen. Aber dass wir nicht mehr nach einer möglichen Schwangerschaft planen. Wir planen und leben, als würde es kein zweites Kind mehr geben. Ich fange an, die ersten Sachen auszusortieren und zu verkaufen. Ich werde nicht mehr auf Alkohol verzichten, das tue ich bereits seit Anfang März nicht mehr. Ich werde endlich versuchen, wieder abzunehmen und in einen gesunden BMI zu kommen, anstatt zu sagen, jetzt für 4 Wochen anzufangen, wenn ich dann schwanger werde, lohnt sich ja auch kaum. Vielleicht können wir damit das Universum noch mal etwas aus der Reserve kitzeln. Und wenn nicht, bin ich mir sicher, dass wir unseren Frieden finden, auch wenn es immer wieder schmerzhafte sein könnte.

Es tut mir leid, wenn ich allen Mitleserinnen hier, die in einer ähnlichen Situation sind so keine Hoffnung schenken kann. Aber ich will ehrlich sein, denn es ist auch okay zu sagen, der Kinderwunsch ist groß, aber diesen Weg fühle ich im Herzen einfach nicht. Und auf das Herz und den Bauch sollte man ruhig öfter mal hören.

Ich melde mich nächste Woche wieder.
Alles Liebe, eure Julia



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In diesem Beitrag geht's um:

Unerfüllter, Kinderwunsch, Familienplanung, Zweifel