Nun haben die Zwillinge eigene Pässe, es kann also auf große Fahrt gehen.
Hallo Ihr Lieben!
Der Vater meiner Kinder schaut gerne "Schwiegertochter gesucht" und "Bauer sucht Frau". Das ist nicht mein Fall, aber ich lasse mir immer die Alliterationen auf der Zunge zergehen: "der windige Westerwald" - "der treue Tiroler" - "das herrliche Hessen". Meist vollkommen sinnfern, aber nett anzuhören. Wie ihr an der Überschrift seht, kann ich das auch: sinnlos aber nett bringt sie zwei wichtige Infos zu unserer vergangenen Woche auf den Punkt.
Am Montag waren wir nämlich beim Fotografen, weil wir für unsere nächsten Recherchen Kinderreisepässe benötigen. Aurelias Pass ist fast vier Jahre alt, ihr darin enthaltenes Babyfoto könnte uns an der Grenze Probleme bescheren, also mussten alle drei Mädels mit ins Fotostudio. Aurelias Foto war schnell gemacht. Sie durfte dafür weder Spangen noch Zopfgummis tragen. Heraus gekommen ist ein Foto, mit dem ich mir ausmalen kann, wie sie als Zehnjährige aussehen wird. So groß und erwachsen!
Bei den Zwillingen dauerte es länger. Ich musste sie festhalten, ohne dass ich zu sehen bin. Dabei mussten sie dann auch noch den Kopf gerade halten und biometrisch schauen. Gar nicht einfach, denn Nele lachte ständig laut auf, wenn die beiden Fotografinnen sie mit Geräuschen dazu bringen wollten, in die Kamera zu sehen. Cari hingegen fand die Sitzhaltung doof und zog ständig eine Schnute. Aber am Ende sind tolle Fotos entstanden, findet ihr nicht auch?
Mit diesen mussten wir dann zum Meldeamt, hier ist beim Passantrag das persönliche Erscheinen aller Kinder erforderlich. Der einzige Termin außerhalb der Kindergartenzeiten war am Freitagmorgen um 7:30 Uhr. Das nenne ich eine sportliche Zeit. Aber wir haben es mit nur 3 Minuten Verspätung geschafft, ich bin stolz auf uns.
Den Rest der Woche habe ich vorwiegend damit genutzt, die nächste Recherchereise vorzubereiten, denn am Wochenende brechen wir auf. Mein Pilgerführer über die Via Francigena muss eilig in die neue Auflage gebracht werden, dazu muss ich die komplette Strecke von Lausanne nach Rom noch einmal gründlich unter die Lupe nehmen. Es gab in den vergangenen Jahren etliche Streckenverlegungen, außerdem stimmen viele Angaben zu Unterkünften nicht mehr. Ich muss ferner einen aktuellen GPS-Track aufzeichnen. Zum Glück hat sich meine Mutter bereit gefunden, mich beim ersten Streckenabschnitt zu begleiten. So benötige ich nur den Tagesrucksack und kann mit ein oder zwei Kindern den Weg erkunden, während sie auf das (zweite und) dritte Kind aufpasst. Mal sehen, wie weit wir kommen, wir haben fürs Erste 14 Tage vorgesehen.
Das Wetter draußen hat mich an manchen Tagen vom Arbeitszimmer an den Kamin getrieben. Wenn die Zwillinge dann friedlich in ihrer Federwiege schlafen und das Feuer prasselt, ich eine Tasse Tee in der Hand und Reisefieber im Herzen habe, bin ich die zufriedenste und glücklichste Mutter der Welt.
Manchmal ist es ja auch schön, dass mich die Zwillinge vom Schlafen abhalten. Ohne den nächtlichen Einsatz bei meiner weinenden Cari hätte ich wohl die Mondfinsternis versäumt. Darum wäre es wirklich schade gewesen, der so genannte Blutmond hat mich schwer beeindruckt. Danke, meine Süße!
Ich wünsche euch eine schöne Herbstwoche,
Eure Ingrid
Bild: privat
Bild: privat